Das Anatomische Museum Innsbruck

wegen Renovierungsarbeiten bis 28. August 2014 geschlossen

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Direktor Univ. Prof. Dr. med. univ. ERICH BRENNER, MME (Bern)

Öffnungszeiten Donnerstag von 15:30 bis 18:00 und nach Voranmeldung

Gruppen und Führungen
telefonische  Voranmeldung nur nachmittags ++43-512-900371113 oder an romed.hoermann@i-med.ac.at

Eintritt
freiwillige Spenden

Die Universität Innsbruck, unter Kaiser Leopold I. gegründet (darum Leopold-Franzens-Universität bis Dezember 2003) nahm im Jahr 1672 ihren Lehrbetrieb auf.Die erste anatomische Lehrkanzel wurde am 22. April 1689 mit Theodor Friedrich von STADTLENDER besetzt. Das wichtigste Instrument für den Anatomieunterricht waren damals wie heute die Körper verstorbener Menschen. Die „Letztwillige Verfügung“, d.h., das Schenken des eigenen Körpers zu Lebzeiten für Studienzwecke und Wissenschaft, war im 17. Jahrhundert unbekannt. Es war also nicht einfach, Körper zum Sezieren zu erhalten, umso mehr, als das Zergliedern von Menschen ohnehin in weiten Kreisen als gottlos empfunden wurde. Eine Möglichkeit, geeignete Leichen zum Sezieren zu bekommen, gab es allerdings: der jeweilige Anatomieprofessor konnte versuchen, vom Scharfrichter die Leichen Hingerichteter (zu dieser Zeit war für viele Vergehen noch die Todesstrafe üblich) zu erhalten. Schon kurz nach seinem Amtsantritt bot sich Stadtlender die Gelegenheit, vom Scharfrichter einen Leichnam zu erwerben. Ein Beamter des Landesfürsten, der Wardein (Qualitätssicherer) der Münze Hall, war wegen Unterschlagung und Brandlegung (bei der noch dazu ein Kind ums Leben kam) zum Tode verurteilt worden. Er sollte zunächst geköpft und die Leiche dann verbrannt werden. Der damalige Gubernator von Tirol, Herzog KARL von LOTHRINGEN, entsprach der Bitte der Fakultät um den Leichnam: „Wann nun aber die allhiesige Facultas medica um Überlassung des Subjektes zur Anatomie und zur Herstellung eines Skelettes gehorsamst gebeten, so wollen hochgnädige fürstliche Durchlaucht auf das Gesuch und einige zugunsten des Verurteilten eingelaufene Interventionen die Strafe der Combustion (Verbrennung) aus herzoglichen Gnaden nachsehen und den Corpus nach vollbrachter Decollation (Enthauptung) erwähnter Fakultät zum erbetenen Zweck ausfolgen lassen.“ Die medizinische Fakultät hatte somit ihren ersten Leichnam, der in diesem Fall für eine ANATOMIA PUBLICA mit Einladungskarten verwendet wurde. Für die Sammlung wurde nach der öffentlichen Präparation ein Skelett erstellt. Dazu musste der Leichnam so weit wie möglich von den Weichteilen befreit und die Knochen mazeriert, entfettet und gebleicht werden, bevor sie zu einem Skelett gefasst werden konnten. Nach über 300 Jahren gibt es von dem beschriebenen Skelett nur noch die literarische Spur. Seine Genese wurde darum so breit beschrieben, weil sie beispielgebend für Mittel- und Südeuropa der damaligen Zeit ist und die Mazeration, außer der Präparation, die älteste Methode der Anatomie darstellt. Allerdings nannte VESALIUS, der Begründer der modernen Anatomie, schon 100 Jahre vor der Innsbrucker Sammlung ein Skelett sein Eigen, das heute noch im sogenannten VESALIANUM in Basel ausgestellt ist. Im 17. und 18. Jahnhundert war die Anatomie der Universität Innsbruck im Erdgeschoss des alten Universitätsgebäudes (heute Theologische Fakultät der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck) untergebracht, und ebenso der „THESAURUS ANATOMICUS“ (lat. wörtlich: anatomischer Schatz, Schatz des Anatomen), das Museum. Die Sammlung enthielt hauptsächlich Knochen – Trocken- und KORROSIONSPRÄPARATE. Im 18. Jahrhundert gab es noch keine Feuchtpräparate von dauerhafter Haltbarkeit, da der Formaldehyd, womit man Leichen dauerhaft konservieren und Feuchtpräparate anfertigen kann, erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts von dem russischen Wissenschaftler Butlerow entdeckt wurde.Wegen der Enge im alten Universitätsgebäude und der nicht eben günstigen Unterbringung. (z. B. in einem Billardzimmer) strebten Professoren wie Hieronymus BACCHETONI (1737 – 1749), vor allem aber Karl DANTSCHER (1846 – 1882) danach, ein neues, eigenes Institut bzw. THEATRUM ANATOMICUM zu erhalten.

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Plan Theatrum anatomicum Februar 1887

Leider sollte Professor Dantscher (er starb 1887) den Bau des neuen Instituts nicht mehr erleben. Von ihm ist ein Präparat vollständig erhalten geblieben, die sogenannten „DANTSCHER-Nieren, die Nieren eines Rindes. Die Wahl eines Tieres für die Erstellung eines anatomischen Präparates für das Museum zeugt davon, dass auch im 19. Jahrhunderts Leichen zum Sezieren Mangelware waren. Daher behalf man sich mit einer ANATOMIA ANIMALIS.

Wie sein Studienkollege Joseph HYRTL (bedeutender Wiener Anatom 1811 – 1894) war auch Dantscher ein wahrer Künstler der Korrosionsanatomie. Ihm, dem „Vater der Fakultät“, verdankt unsere Sammlung auch das Skelett des Burgriesen Nikolaus HAIDL .

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1887 (86) – 1889 wurde unter dem Vorstand Moritz HOLL (1882 – 1889) das heute in seinen Grundmauern noch bestehende Anatomische Institut (Müllerstraße Nr. 59) errichtet, ein Haus für ca. 100 Studierende, und es „ … bestand bereits ein relativ gut und vollständig eingerichtetes anatomisches Museum …“

Besonders hervorzuheben im Museum sind die Trockenpräparate von Ferdinand HOCHSTETTER (1896 – 1908), deren Herstellungsmethode gerade erforscht wird und die Präparate von Prof. Felix SIEGLBAUER und seinem Präparator Franz ZIMA. Von fast allen diesen Präparaten existieren noch Schwarz-Weiß-Photos (Photoalbum im Besitz des Sohnes von Franz Zima).

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Circa ein Drittel des Hauses und etwa die Hälfte der Sammlung wurde im Dezember 1943 durch einen Bombentreffer zerstört. Hauptsächlich die von Sieglbauer geschaffene anthropologische Schädelsammlung wurde vernichtet.

Schwerer als der Verlust der Sammlung wog allerdings der Tod des damaligen Anatomiedieners mit seinen drei Kindern; die Ehefrau und Mutter überlebte als einziges Familienmitglied.
IDIBUS DECMBRIBUS MCMXLII SERVUS ANATOMICUS FRANZ SCHMID CUM INFANTIBUS OBIIT AETATIS XXXIX.


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Sieglbauer stand vor den Trümmern „seines“ Hauses, wie er schreibt. Er blieb bis 1946 im Amt und übergab dann an Gustav SAUSER.

Dieser widmete sich ebenfalls sehr intensiv dem Museum. Kulturhistorisch wertvoll sind die bemalten Beinhausschädel der Sammlung, die heute noch (!) beforscht werden. Sie stammen aus mehreren Bergregionen Österreichs, hauptsächlich aus Hallstatt (Oberösterreich) und dem Paznauntal (Tirol).

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Nach dem plötzlichen Tod Sausers wurde Prof. Werner PLATZER Vorstand der Anatomie. Sauser hatte zwar dafür gesorgt, dass das Haus nach dem Bombentreffer aus- und umgebaut wurde, jedoch konnte es die Menge der Studierenden nicht mehr fassen. Für das Museum hatte auch Prof. Platzer ein großes Faible. Neue Vitrinen wurden angeschafft und die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die gesamte Neugestaltung verlief unter seiner Ägide.

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Seit 1998 ist nach der Emeritierung Professor Platzers zum ersten Mal eine Frau Direktorin des Hauses: Frau o. Univ. Prof. Dr. med. univ. Helga FRITSCH.

 
Text Dr. phil. Karl Mager
Photographie Romed Hörmann und Markus Bstieler

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