Preisträger des Jahres 2011 - Eugen Rehfisch Preis

Eugen Rehfisch Preis für Forscherteam der Anatomie

Gute Neuigkeiten gibt es für PatientInnen, die an funktionellen Erkrankungen des unteren Harntraktes leiden und denen mit einer Operation bzw. den bisher gängigen Techniken der Sakralnervenstimulation nicht geholfen werden konnte. Am Department für Anatomie der Medizinischen Universität Innsbruck wurde eine neue Methode entwickelt, die Patienten in Zukunft eine wirkungsvolle und dauerhafte symptomatische Therapie verspricht. Für das neue Verfahren erhielt das Forscherteam Heinze (RUB), Hörmann (MUI), Fritsch (MUI), van Ophoven (RUB) den renomierten Eugen-Rehfisch-Preis 2011.
Bild: v.l.: Univ.-Prof.in Helga Fritsch, Direktorin des Departments für Anatomie, Hystologie und Embryologie mit Ihrem Mitarbeiter Romed Hörmann, Sektion für Klinisch-Funktionelle Anatomie.

„Es gibt bisher leider viele Patientinnen und Patienten, denen mit den bislang zur Verfügung stehenden Mitteln nicht geholfen werden kann. An unserem Institut haben wir nun eine radiologisch gesteuerte Methode entwickelt, die für jeden Mediziner in der Praxis umsetzbar ist“, erklärt Univ.-Prof.in Helga Fritsch, Direktorin des Departments für Anatomie, Hystologie und Embryologie der Medizinischen Universität Innsbruck.

Sicheres Ansteuern des Nervus Pudenus mit radiologischer Unterstützung

Bereits bisher habe man bei der Behandlung der- für betroffene PatientInnen sehr belastenden - Symptome bei Stuhl- oder Harninkontinenz (oder Trägheit der Blase bzw. des Darms) im Wesentlichen auf die Sakralnervstimulation (SNM) gesetzt: Dabei werden Elektroden implantiert, die die Sakralnerven mit schwachen elektrischen Impulsen stimulieren. „Die bisher angewandten Methoden konnten aber weitaus nicht allen PatientInnen helfen, weil sie zu unspezifisch und damit nicht zuverlässig waren. Wir sind in unserer Studie gezielt an einen Nerv herangegangen, nämlich den Nervus Pudenus, der die Schließmuskel für die Harnröhre und den Analkanal bedient, um diesen zu stimulieren und zu modulieren.“, so Univ.Prof.in Fritsch.

Die Schwierigkeit dabei: „Dieser Nerv hat keinen einfachen Verlauf. Wir haben nun - mit Hilfe radiologischer Bildgebung - fixe und vor reproduzierbare Orientierungs- und Verlaufspunkte des Nervus Pudenus definiert. Die neue Technik ermöglicht eine zielgenaue Positionierung der Elektrode parallel zum Verlauf des Nervus Pudenus, sodass dieser optimal moduliert werden kann.

Klinische Studien bestätigen neue Methode

Die neue, modifizierte Technik befindet sich derzeit an der Urologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum in einer klinischen Studie. Es werden bereits PatientInnen damit versorgt: „Und die klinischen Daten bestätigen unsere Methode zur Neuromodulation des Nervus Pudenus“, betont Prof.in Fritsch. Auch PatientInnen mit Darmabschlussproblemen könne das neue Verfahren Erleichterung bieten: „ Koloproktologen zeigen ebenfalls sehr großes Interesse an der von uns entwickelten Methode, da diese auch für ihre PatientInnen eine geeignete symptomatische Therapie darstellt“.


Heinze K., Hörmann R., Fritsch H., van Ophoven A.
Kadaver-Studie zur Modifizierung der Elektrodenplatzierung bei pudendaler Neuromodulation

link Preisträger/Abstract/Forum Urodynamicum e.v.

www.forum-urodynamicum.de/htm/eugen_rehfisch_2.htm